1998 kam meine damalige Bandkollegin Inga Hase zu mir, weil sie ein Fall von Kindesmissbrauch in ihrem regionalen Umfeld sehr belastet hat. Sie brachte eine Bravo zur Bandprobe mit, in der viele Opfer sexuellen Missbrauchs ein paar Worte geschrieben hatten. Aus den gesammelten Informationen und unseren Gefühlen, schrieben wir einen Song.

Der Text hatte anfänglich ein paar Strophen mehr und war uns teilweise noch zu "hart". Wir weinten regelmäßig wenn wir ihn sangen oder waren für einige Zeit nicht mehr ansprechbar, weil das Thema noch zu nah war. Nach einiger Zeit hatten wir das Lied auf die heute bekannten Strophen "zusammengestrichen" Dabei halfen uns Betroffene, die uns ehrlich erzählten, wie einzelne Textstellen auf sie wirken.

Für eine Demokassette unserer damaligen Band nahmen wir unter anderem auch das Lied Kinderaugen auf. Natürlich hörte jeder von uns die Kassette regelmäßig im Auto. Als ich an einem Nachmittag ein junges Mädchen mit meinem Auto mitnahm, lief gerade der Kinderaugensong. Sie wurde sehr schweigsam und fing an, zu weinen. Ich hielt den Wagen an und fragte besorgt nach dem Grund.

Sie erzählte mir: "Mir ist genau das passiert, was in dem Lied gesungen wird." Sie schob die Ärmel ihres Pullovers hoch und ich konnte die Verbände an ihren Handgelenken sehen. Sie erzählte mir ihre traurige Geschichte und bat mich um ein Versprechen. Ich sollte dafür sorgen, dass das Lied im Radio gespielt wird, damit es so viele Menschen wie möglich hören können. Sie sagte:"Ich habe noch nie Jemandem von meinem Erlebten erzählt." Erst als sie das Lied gehört hatte, konnte sie sich öffnen. Verständlicher Weise versprach ich es ihr und produzierte den Song.

Inzwischen wurde der Song im Radio gespielt und wird kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt, damit ihn möglichst viele Menschen hören können. Sogar ein deutschlandweites Projekt zur Unterstützung Betroffener ist daraus entstanden.